Gutes Betriebsklima - worauf kommt es an?

20.05.2021

Was oder wie ist ein gutes Betriebsklima?
Wer oder was beeinflusst es?


Das ist gar nicht so leicht zu definieren, weil es so selbstverständlich erscheint. Wie in der Natur umgibt das Klima die Beschäftigten; wie das Wetter beeinträchtigt oder fördert die betriebliche Atmosphäre die Arbeit. Aber anders als in der Natur entsteht das betriebliche Klima aus menschlichen Aktivitäten in von Menschen gemachten Strukturen.

 

Ein entscheidender Faktor für das Betriebsklima ist die Qualität der Zusammenarbeit. Man könnte auch sagen, vom Geben und Nehmen. Es geht ja nicht nur um den Tausch von Leistung und Lohn, sondern auch um ganz Alltägliches wie Informationen, Hilfestellung, Zeichen und Gesten. Wird dieser Austausch gestört, funktioniert der Betrieb nur noch eingeschränkt. Ohne die Unterstützung der Kollegen:innen ist niemand erfolgreich, denn Erfolg bei der Arbeit beruht auf Gegenseitigkeit.

 

Jeder Betrieb unterliegt Vorschriften und Regeln für die Zusammenarbeit. Aber das ist nur die formale Ebene. Es gibt daneben Routinen und Gewohnheiten, die sich mehr oder weniger von selbst über längere Zeit entwickelt haben, ohne dass darüber gesprochen wurde. Es sind eingespielte Verhältnisse, eine gewisse Ordnung des Gebens und Nehmens. Daran orientieren sich alle.

Von wem bekomme ich die Informationen? Was muss ich dafür tun? Wer kann mir helfen? Wer erwartet Hilfe von mir? Wer hat hier was zu sagen?

Aber was sind denn nun die wichtigsten „Klimafaktoren“?

Elf Einflussfaktoren haben sich in sozialwissenschaftlichen Untersuchungen als besonders relevant herausgestellt:
 

  • Autorität: Ist die Vormachtstellung der Vorgesetzten gerechtfertigt durch Beiträge zum Gelingen der Arbeit? Oder beruht sie auf Drohungen und Sanktionen?
  • Beteiligung: Gibt es Verfahren, die eine Mitwirkung von Beschäftigten an betrieblichen Entscheidungen ermöglichen? Oder geht es nur darum, dass getroffene Entscheidungen akzeptiert werden?
  • Fairness: Werden Nutzen und Lasten der Zusammenarbeit nach allgemeinen anerkannten Regeln verteilt? Oder verschaffen sich die einen Privilegien auf Kosten der anderen?
  • Führung: Unterstützen Vorgesetzte ihre Mitarbeiter:innen bei selbständiger Arbeit? Oder versuchen sie, die Arbeit im Detail zu beaufsichtigen?
  • Kollegialität: Werden in der Zusammenarbeit auch zwischenmenschliche Beziehungen gepflegt? Oder geht es nur darum, dass alle wie Rädchen im Getriebe funktionieren?
  • Kommunikation: Führen die Angehörigen eines Betriebes einen offenen Dialog? Oder wird einseitig informiert und angeordnet?
  • Kompetenz: Sind Zuständigkeiten und Fähigkeiten geregelt und anerkannt? Oder gibt es Streitigkeiten und Abgrenzungskämpfe?
  • Leistung: Verständigen sich Vorgesetzte und Beschäftigte über Anforderungen der Arbeit? Oder werden Konkurrenzkämpfe ausgetragen?
  • Macht: Ist die Einflussnahme auf andere durch sachliche Gründe gerechtfertigt? Oder wird willkürlich angeordnet?
  • Vertrauen: Können sich alle aufeinander verlassen? Oder muss befürchtet werden, dass Vertrauen zu riskant ist und enttäuscht wird?
  • Wertschätzung: Gelten persönliche Anstrengungen als wichtige Beiträge? Oder werden Engagement und Meinungsäußerungen ignoriert?

 

Was muss oder kann getan werden?

„Seid nett zueinander!“ reicht sicherlich nicht aus. Nur die Veränderung von Gewohnheiten, von Routinen und von betrieblichen Strukturen bringt Verbesserungen. Die Ausgewogenheit von Geben und Nehmen stützen ein gutes Betriebsklima. Als gut wird es empfunden, wenn alle für das, was sie beitragen, etwas zurückbekommen: natürlich einen angemessenen Lohn für korrekte Arbeit, aber auch Unterstützung, faire Behandlung und Wertschätzung durch Vorgesetzte, Kolleginnen und Kollegen.

Mögliche Probleme der Zusammenarbeit und deren Ursache lassen sich nur über einen sachlichen Dialog lösen. Ob in Versammlungen, Arbeitsgruppen oder Workshops, wichtig ist, das scheinbar Selbstverständliche zu hinterfragen, offen darüber zu sprechen: Geht es gerecht zu? Bekommen alle, was ihnen zusteht? Ist die Zusammenarbeit solidarisch? Gibt es gegenseitige Unterstützung? Was könnte verbessert werden? Wie ließe es sich organisieren?

 

Es empfiehlt sich ein schrittweises Vorgehen. Ziel muss es sein, Schritt für Schritt zu einem „Klimaabkommen“ zu gelangen. In unserem Betrieb wird eine Umfrage im Rahmen der Erhebung zur Gesundheitssituation stattfinden, die als Ausgangspunkt dienen soll. Die Auswertung der Befragung zeigt, welche Themen wichtig sind. Die Ergebnisse dienen dazu Lösungsvorschläge zu erarbeiten, damit wir dann ein „ Klimaabkommen“  für UNS festschreiben können. Die Umfrage soll im Juni 2021 durchgeführt werden. Liebe Kollegen:innen nehmt daran teil, und äußert eure Wünsche und Bedürfnisse.

 

 

Quellen: www.sifa-sibe.de

Autoren: Dr. Edelgard Kutzner und Dr. Klaus Kock, Technische Universität Dortmund

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Ich hoffe, euch hat unser Blogeintrag gefallen!
Bis zum nächsten Mal.

Euer Christian